Lehrergewerkschaften Hamburg
25. Februar 2020

Vorläufiger Stopp für das digitale Klassenbuch

dlh fordert vor Fortführung entscheidende Verbesserungen

Der Gesamtpersonalrat hat in seiner Sitzung vom 04.02.2020 nach langen und intensiven Beratungen seinen Beschluss vom 21.01.2020 zur Nichtverlängerung der Pilotierungsvereinbarung zum digitalen Klassenbuch einstimmig bestätigt. Damit ist der schulische Einsatz dieser WebUntis-Software vorerst gestoppt.

Ausschlaggebend dafür sind folgende Gründe:

  • Der dlh moniert, dass die in der Pilotierung festgestellten Unzulänglichkeiten der Software und ihrer App trotz mehrfacher Mängelrügen von Kolleginnen und Kollegen nicht beseitigt wurden.
     
  • Die Anwendung führt nicht (wie versprochen und zu erwarten) zu Arbeitserleichterungen, sondern im Gegenteil zu Mehrarbeit der beteiligten Kolleginnen und  Kollegen. Deutlich wird das z. B. am zwingend notwendigen Medienbruch (Anwesenheitslisten
    und Arbeitsberichte müssen ausgedruckt und unterschrieben in den Klassenakten abgeheftet werden).
     
  • Die notwendigen datenschutzrechtlichen Anforderungen sind wegen der unvollendeten Schuldatenschutz- und E-Privacy-Verordnung weiterhin unklar. Des Weiteren besteht dringender Klärungsbedarf bezüglich der Nutzung privater Endgeräte und der damit verbundenen Haftungsfragen.
     
  • Überdies ist bei einem Großteil der Pilotschulen nach wie vor eine angemessene und ausreichende Ausstattung mit (individuellen) mobilen dienstlichen IT-Endgeräten nicht gewährleistet, sodass eine ergonomisch sinnvolle und arbeitserleichternde Anwendung des digitalen Klassenbuches kaum erfolgen kann. Die deshalb erforderliche Nutzung privater digitaler IT-Endgeräte ist für den dlh hochproblematisch. Schließlich kann die Nutzung der privaten Geräte grundsätzlich nicht erwartet werden. Außerdem ist nicht einzusehen, dass die BSB die daraus resultierenden datenschutzrechtlichen Verpflichtungen und Risiken an die Beschäftigten weiterreicht (inkl. der möglichen Inanspruchnahme nach Artikel 82 DSGVO).

Die hier skizzierten Mängel des digitalen Klassenbuchs sind für den dlh inakzeptabel. Das gilt insbesondere für die damit verbundene Mehrarbeit der betroffenen Kolleginnen und Kollegen. Und solange sich daran nichts ändert, empfiehlt der dlh den Schulpersonalräten, möglichen schulinternen Dienstvereinbarungen nicht zuzustimmen. Damit verbindet er die Hoffnung auf zeitnahe (Leistungs-)Verbesserungen der Software und der Hardwareausstattung.