Lehrergewerkschaften Hamburg
05. November 2020

Presseerklärung des dlh vom 05.11.2020

Stellungnahme des dlh zur aktuellen Corona- Situation in den Schulen

Mit Befremden nehmen die Lehrergewerkschaften Hamburg die Aussagen des Schulsenators Ties Rabe zur Kenntnis, dass in den Hamburger Schulen die Covid 19-Infektionen sehr gering seien und somit die Schulen im Vergleich zu anderen Lebensbereichen „sichere Orte“ sind.

Diese Aussage kann der dlh nicht nachvollziehen. Schließlich verdeutlicht die Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion genau das Gegenteil: Danach gab es in der 36. bis 42. Kalenderwoche in den Pflegeheimen und Schulen die größten Covid 19-Ausbrüche. Und seither sind die Infektionsketten nur noch rudimentär nachvollziehbar. So konnten in der Kalenderwoche 43 nur noch 19,1 % der Fälle Ausbrüchen zugeordnet werden. Außerdem sind die Aussagen des Senators nicht werthaltig, weil in den Schulen gar keine Reihentestungen stattfinden und nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen viele Kinder und Jugendliche eine Corona-Infektion ohne oder nur mit eher unauffälligen Symptomen durchlaufen. Insofern ist davon auszugehen, dass die Infektionszahlen in den Schulen im Mittel größer sind als in der Gesamtgesellschaft.

Der dlh fordert deshalb:

➢ Eine flächendeckende und ausreichende Versorgung aller Schulbediensteten mit FFP2-Masken und Covid 19-Schnelltest.

➢ Eine klare und für alle Lehrkräfte transparente Strategie bezüglich des Unterrichtsbetriebes, wenn die Coronainfektionszahlen weiter steigen. Hierzu muss ein Stufenplan existieren, der über Hybridunterricht bis hin zu Schulschließungen mit Fernunterricht reicht,     wenn es die Infektionslage erfordert. Letztere ist genau zu definieren und sollte sich an den Empfehlungen des RKI orientieren.

➢ Auch die Leistungsbewertung muss vor dem Hintergrund vermehrter Klassenquarantänen unter die Lupe genommen und angepasst werden. Notfalls sollten in nicht prüfungs- und versetzungsrelevanten Jahrgängen die Anzahl der schriftlichen Leistungsüberprüfungen reduziert werden.

➢ Die Mehrarbeit der Lehrkräfte, die sowohl im Präsenzunterricht als auch zusätzlich in der Betreuung von Schülerinnen und Schülern in Quarantäne stecken, muss angemessen berücksichtigt werden. Eine Entlastung ist zwingend notwendig.

➢ Es zeichnet sich mit der eingesetzten Erkältungs-/Grippeperiode ab, dass mit mehr krankheitsbedingtem Personalausfall zu rechnen ist. Deshalb muss zur Vermeidung von Unterrichtsausfall die Personalreserve dringend aufgestockt werden.
Die Lehrergewerkschaften Hamburg fordern deshalb den Schulsenator auf, seiner Fürsorgepflicht vollumfänglich nachzukommen.

der Vorstand
Die Lehrergewerkschaften Hamburg (dlh)

Die Presseerklärung als PDF-Datei